Lesung zur Buchpremiere am 6.November in der Kunsthalle Rostock.
Sein mittlerweile viertes Buch ist zugleich sein erster Roman. Die anderen drei erfolgreichen Werke „Signale im Regen“ „Der japanische Garten“ und „Aufzeichnungen eines Autoverkäufers“ waren lediglich Erzählbände. Das und vieles mehr war am Freitag (06.11.09) in der Kunsthalle zu erfahren, wo der Kröpeliner Autor Harri Engelmann aus seinem neu erschienenen Roman „Russenblut“ las. Der „Roman über eine uneingestandene Abkommenschaft“ – so der Untertitel – zeichnet das Leben eines Jungen nach, „ der sich an der Summe der Behauptungen, es gäbe Russenblut, vergiftet hat“, fasst Harri Engelmann die Thematik des Romanes zusammen, der sowohl fiktive als auch autobiografische Begebenheiten beinhaltet.

Dieser Mischung und der präzisen Erzählweise mit lebendigen Dialogen ist es zu verdanken, dass die Figuren Engelmanns eine Authentizität ausstrahlen, die den Leser fesselt. Es ist bei weitem keine Leidensgeschichte, wie der Titel und die Thematik „Russenkinder“ vermuten lässt, stattdessen tendiert „Russenblut“ durch die historisch-authentische Beschreibung der Charaktere und ihrer Verhaltensweisen zur humorvoll-historischen Erzählunterhaltung mit Anspruch.
Und weil „Russenblut“ von 1944 bis in die Gegenwart reicht, erfährt der Leser auch einiges über die Entstehung des Rostocker Stadtteils Reutershagen unter den Nazis und über die Zeit des Mauerbaus. Immerhin kommt der Protagonist des Romans, Armin Schengel, aus Rostock.
Das Buch „Russenblut“ ist aber auch für Nicht-Rostocker durchaus empfehlenswert, der Schriftsteller Harri Engelmann hat damit ein Stück (nicht nur) selbst erlebte Geschichte auf die denkbar unterhaltsamste Weise dokumentiert, welche die Thematik zulässt und ein Beispiel dafür gegeben, dass Bücher aus jener schwierigen Zeit ohne übertriefendes Selbstmitleid und Gejammer auskommen können.
„Wie gesagt, es ist keine Leidensgeschichte“; so Engelmann auf die Frage, ob das Niederschreiben des Buches ihn befreiter gemacht habe, „ich hatte mich schon lange vorher von damals Erlebtem befreit, im Gegenteil, vielleicht war das sogar eine Art Größenwahn, denn wer kann schon von sich sagen, ich bin genetisch näher an Dschinghis Khan dran…“

Noch sind Stühle frei - aber so leer blieb es nicht.
Übrigens: Ehemalige Kollegen, Freunde und eifrige Leser des Autoren ahnten oder wussten das offenbar im Vorfeld, denn sie erschienen so zahlreich zur Buchpremiere in der Kunsthalle, dass immer wieder zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. -dh-