Der 1.Teil schloss:
Ich war nun auch zum Schluchzen aufgelegt und hätte mir selbst in den Hintern treten können. Was, wenn ich nun keinen Baum mehr kriege? Ich würde ihr als Gag meinen heute gekauften Baumkuchen unter die Nase halten und sagen: „ Bäume waren schon alle, es gab nur noch BaumKUCHEN.“ Ein Brüller, haha. Ihr Hansi würde an einem Lachkrampf ersticken, und Elke sich wieder in Tränen auflösen.
Teil2: Als ich so über die Spirituose nachdachte, mit der ich während des abendlichen Fernsehprogramms all den weihnachtsverliebten, glücklichen Familien in den Filmen und der Werbung zuprosten wollte, klingelte das Telefon, wie um mich vom Trinken abzuhalten.
Für einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken, sämtliche Anrufe auf mein ausgeschaltetes Handy umzuleiten – auch ich konnte doch mal in wichtigen Meetings, verreist oder krank sein. Das würde mir als arbeitslosen Single am 23. Dezember abends aber sowieso kein Schwein glauben.
Es war also Elke – wer sonst – die mich zutextete und rätselte, wieso ihr Hansifransi nun doch nicht in Amiland geblieben war. Statt mich an der Quizrunde zu beteiligen, verwies ich auf meinen leeren Kühlschrank, auf morgen und darauf, dass sie ihn fragen solle, nicht mich.
Aber sie hatte mich gefragt, und das tat sie unbeirrt noch mal – unmittelbar, bevor sie sich dann drei mögliche Antworten selbst gab, ohne die meinige abzuwarten. „Herrgott, Elke, sag Herrn Jauch, ich weiß es nicht und frag das Publikum!“, grunzte ich und schmiss den Hörer auf die Gabel. Danach wunderte ich mich selbst über meine Ungehaltenheit, aber ich sollte an diesem Abend noch reichlich Gelegenheit haben, mich bei ihr zu entschuldigen: Kaum stand mein Abendbrot auf dem Tisch zu Beginn der Tagesschau – Chips und Bier und Bockwurst, wie sich das am Vorweihnachtsabend gehört – bimmelte das Telefon schon wieder.
„Weihnachtsbaumvertrieb Sägebein? Wenn Sie einen Weihnachtsbaum bestellen möchten, legen Sie bitte auf und drücken danach die Eins.“
„Sehr witzig! Gut dass du noch zu Hause bist…“ Wo sollte ich sonst sein? Ach ja, ich hatte ihr gesagt, ich muss noch einkaufen…Egal.
„Ach, du bist es bloß. Fasse dich kurz, bin beim Essen, Elke.“
„Was soll ich morgen kochen? Isst du lieber Hähnchen oder Karpfen…“
„Ich bin nicht da zum Essen, du Stern meiner Nudelsuppe. Du kriegst morgen früh deinen Baum mit den grünen Gräten von mir und dann esse ich bei meine Eltern.“
„Waaas? Wieso das denn?“
„Sag mal, willst du mit Hänschen Klein nicht allein dinieren – und mit dem ….diesem Hängemappensheriff…“
„ Richard heißt er. Mach dich nicht lustig, ich verspotte deine Eltern auch nicht, ja?“ Das klang giftig. Vielleicht sollte ich besser das Gespräch beenden. Genervt war ich sowieso bereits. Meine Ex schien nicht glücklich über den voraussichtlichen Verlauf ihres Weihnachtsfestes, was wie ein innerer Parteitag war für mich – sie war es gewesen, die von mir Abstand gebraucht hatte, als sie Schluss machte, dann lernte sie Hans kennen, einige Wochen später fuhr ihr Hänschen nach Amerika in die weite Welt hinein – „Na? Abstand genug?“, hatte ich vielleicht etwas zu hähmisch gefragt – denn ich hatte nicht verstanden, warum sie von mir Abstand brauchte, aber sich diesem Hans an den Hals schmiss – nur weil er nicht weit genug von ihr ab stand?
Wie dem auch sei, am anderen Morgen stellte ich fest, dass die Nacht definitiv zu kurz gewesen war für ein stundenlanges, nervendes Telefonat mit ihr, einigen Gläsern Whisky und mehreren Fernsehfilmen. Dennoch hatte ich all das durchgezogen, ich Organisationstalent, weswegen ich auch ungläubig auf den Wecker schielte, der mich allein durch sein bedrohlich-leises Ticken mahnte, dass es höchste Zeit wurde – geklingelt hatte er nicht, wie er sollte. Ich hatte einen ausgewachsenen Kater, und das, wo ich doch Haustiere hasse – und vorsichtig schob ich das Gebäude auf meinem Hals, das mal mein Kopf gewesen war, durch die Pulloveröffnung. Ich hatte mir das lange Telefonat mit Elke quasi schön gesoffen…Es war bereits hell und neun Uhr dreißig. Im Bad schaute ich gedankenversunken auf eine halbvolle Flasche Fichtennadelschaumbad: Da war doch noch was … Ach du schiefe Tanne: Elkes grüner Wunderbaum – ich musste noch einen Weihnachtsbaum besorgen! Meine Eltern wohnten am anderen Ende der Stadt, und ich sah Mutter schon mit einem dampfenden Kochtopf in der Stube stehen und ratlos meinen leeren Platz anstarren…und wo gab es nun noch Bäume zu kaufen? Es war sogar fast zu spät um irgendwo einen abzusägen. Zu guter Letzt fiel mir der Friedhof ein. Zwar wollte ich einen Baum ehrlich erwerben, nahm aber vorsichtshalber einen Fuchsschwanz mit, schließlich gab es dort frei stehende Nadelbäume…


Das macht den BAum ja gerade unheimlich
) Ja, bin auch im Stress…Die Stadt ist voller Geschenksucher und Geldausgeber, vom Weihnachtsmarkt mal abgesehen… und ich denke dauernd, was muss ich noch besorgen… LG Dirk
Von: harDi am 17. Dezember 2008
um 19:21
Schäm dich! Jedenfalls für den vorletzten Satz. Von Friedhöfen soll man nichts nach Hause tragen. Sonst hab ich es gern gelesen.
Lieben Gruß
Bernd
P.S. Bist du auch so im Weihnachtsstreß?
Von: Bernd am 17. Dezember 2008
um 17:02