Das waren noch Zeiten: Kein Westbild, aber Testbild!
Medienkritik. Früher nannte ich ihn schwärmerisch Gernsehapparat, den Plastekasten mit einer Bildröhre drin, dessen dicker, nach außen gewölbter Bildschirm an eine eingebaute Glaskugel erinnerte weil sie stark gewölbt war und etwas nach außen vorstand. Aber heute, wo ich kaum noch etwas gern sehe, wenn ich fernsehe, kommt mir dieses mehrprogrammige Entertainment-Bankett voller drolliger Unterhaltungshäppchen und Spielfilmkrümelchen vor wie eine einzige Wiederholung. Dumm nur, dass die interessante Werbung immer von diesen Programmfetzen arglistig unterbrochen wird und offensichtlich besonders nachts für taube Zuschauer gedacht ist.
Wen interessiert´s , wenn sich Ritter Florian mit seinem Silbereisen über die Silberbüchse einer jodelnden Alm-Sissi hermacht, deren Schatz am Silbersee vergeblich auf sie wartet… Dann folgen, nur zwei Kanäle weiter und drei Daily-Soaps später, passenderweise noch die zehn am falschesten singenden Warmduscher, präsentiert und mehrfach unterbrochen von Flutschi, der Seife zum Bücken für Leute mit Rücken, und schließlich erringen possierliche Tierbabys nach erfolgreicher Dschungelprüfung 3 Sterne für drei Abendessen, weswegen zwei von ihnen auf die stille Treppe müssen, bevor sie von Kerner& Co zubereitet und von Tine Wittler verspeist werden…
Diesen Faden könnte man noch unendlich weiterspinnen – dann sind da noch Nachrichten zum Sich-Nach-Richten – aber wer richtet sich schon danach? Über das Schlachtfest der Volksmusik haben wir schon ansatzweise gesprochen, aber auch ganze Magazine feuern bereits am Vorabend ihr Pseudowissen auf uns ab, welches sie vom Hörensagen und Leuteaushorchen schnell zusammengekritzelt haben und mit der Überschrift „Umfragestudie“ versehen dem Zuschauer präsentieren, dem Brigitte Nielsens ganze Natürlichkeit vor Beginn ihrer Altbausanierung eben noch ins Wohnzimmer baumelte…
Wie wohltuend und originell war da der Regieeinfall einer Bildstörung während der EM 2008. Hier wurde der Anstaltsalltag durch ein Fünkchen scheinbar unvorhersehbares aufgehellt. Immerhin handelte sich hier nicht nur um einen guten Einfall der Drehbuchautoren, sondern auch um den eines Blitzes in den Königlich-Wiener Haus- und Hofsendemast. Endlich konnte die BildSchirmherrschaft der üblichen Verdächtigen mal für wenige Minuten unterbrochen werden.
Mein Lieblingsspruch beim Spätabend-TV,also zu der Zeit, wenn selbst bei der (Öffentlichen) Anstalt für Rheumakranke Dauerschunkler nach dem WORT ZUM SONNTAG der „Mord zum Sonntag“ folgt, lautet: „Die folgende Sendung ist für unter 16 Zuschauer nicht geeignet!“ Warum nicht? Dafür zahlen wir doch GEZ? Oder tun zumindest so…Wieso muss da extra drauf hingewiesen werden? Ich sehe da nur eine Alternative: Es lebe das quotenfreie Testbild! Der Ameisenkrieg nach Sendeschluss war wenigstens für alle da – und ein Bild- und Tonausfall beim Sendeschluss fällt genauso wenig auf wie ein „Hot Button“ für Linkshänder auf 9LIVE.-dh/aug/hro-



Hi Dirk,
die Erlösung ist nah. Als Rettung, die einzig mir bekannte empfehle ich, öffne dein Fenster auch wenn’s kalt ist. Ziehe den Stecker aus der Glotze, nehme ihn, trage ihn vorsichtig zum Fenster. Guck ihn noch einmal an, traurig oder höhnisch, das bleibt dir überlassen und lass ihn fallen. Wenn der klirrende Schall deine Ohren erreicht, dann weißt du du bist gerettet und ein neues, besseres Leben beginnt. Nicht vergessen GEZ abzumelden.
Lieben Gruß
Bernd
Von: Bernd am 11. Januar 2009
um 09:03